LKW-Kontrolle

Güterverkehr

In diesem Bereich finden Sie Informationen über: Fernfahrerstammtische, Lkw-Unfälle, Unterstützung für schwierige Situationen: Fahrassistenzsysteme

Fernfahrerstammtische

Seit dem Jahr 2000 finden regelmäßige Fernfahrerstammtische an Autobahnen statt, mittlerweile an zahlreichen Standorten im gesamten Bundesgebiet. Dort kommen Polizeibeamte mit Kraftfahrerinnen und Kraftfahrern zusammen, um ungezwungen Probleme rund um den Verkehr zu diskutieren.

Für Fragen und weitere Informationen im Zusammenhang mit dem „Fernfahrerstammtisch“ können Sie sich an folgende Adresse wenden:

Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW,

Frau Anja Daniel
Abteilung 4, Dezernat 44,
Schifferstr. 10, 47059 Duisburg

Telefon: 0203 4175-4417,
E-Mail: anja.daniel@polizei.nrw.de

Eine Zusammenfassung über bundesweit stattfindende Fernfahrerstammtische finden Sie hier: http://www.fernfahrerstammtisch.de/

PDF Icon Liste der Fernfahrerstammtische


Fernfahrerstammtische in NRW

Polizei Münster: Stammtisch Münster,  A1

Polizei Dortmund: Stammtisch Autohof Lippetal, A2 und Stammtisch Autohof Wilnsdorf, A45


Lkw-Unfälle

Was sind die Ursachen von Lkw-Unfällen? Informationen hierzu finden Sie in unserem kurzen Überblick.

Abstands- und Geschwindigkeitsverstöße sowie Fahrstreifenwechsel sind nach polizeilichen Erkenntnissen die wesentlichen Ursachen von Lkw-Unfällen auf Autobahnen.

Die Unfallursache „Abstand“ kommt bei Lkw-Unfällen um ca. 40 % häufiger vor als bei Pkw-Unfällen.

„Technische Mängel“ sind nur bei 1,1 % der Lkw-Unfälle Ursache des Unfalls (Quelle: Bundesanstalt für Straßenwesen).

„Spezifische Umstände“ im gewerblichen Güterverkehr sind wesentliche Faktoren bei der Unfallschwere auf Autobahnen. Dazu gehören:

  • Fahrgeschwindigkeiten (die zugelassenen 80 km/h werden nicht selten überschritten)
  • Ablenkung (z.B. Telefonieren oder Kaffee kochen während der Fahrt)
  • Monotonie
  • geringe Gurtanlegequote

Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen:
Müdigkeit sowie Unaufmerksamkeit - neben unangepasster Geschwindigkeit - wird als zweithäufigste Unfallursache im Bereich des gewerblichen Güterverkehrs identifiziert

  • große Kilometerleistungen
  • lange Fahrtzeiten
  • Zeitdruck

Unterstützung für schwierige Situationen: Fahrassistenzsysteme

Welche technischen Lösungen gibt es und wie können sie dazu beitragen, Verkehrsunfälle und deren oftmals schweren Folgen zu verhindern oder wenigstens zu verringern?

Fahrerassistenzsysteme FAS - Englisch: Advanced Driver Assistance Systems (ADAS) sind elektronische Zusatzeinrichtungen. Sie unterstützen Fahrer in bestimmten Situationen. Sie wirken teilweise oder völlig eigenständig in Antrieb, Steuerung (z. B. Gas, Bremse) oder Signaleinrichtungen ein oder warnen kurz vor kritischen/während kritischer Situationen; die Verantwortung bleibt jedoch beim Fahrer.

Angeboten werden verschiedene Systeme. Zu den wichtigsten Fahrerassistenzsystemen zählen

  • der Abstandsregeltempomat (Adaptive Cruise Control)
  • das Notbremssystem (Active Brake Assist)
  • der Spurassistent (Lane Guard System),
  • der Spurwechselassistent (Lane Change Assist) und
  • das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP).

Der Abstandsregeltempomat (Adaptive Cruise Control = ACC) passt je nach gewählten Voreinstellungen selbstständig Fahrgeschwindigkeit und Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug an. Es reagiert allerdings erst ab einer Geschwindigkeit von 25 km/h und ist vor allem auf Schnellstraßen und Autobahnen sinnvoll nutzbar. Kernelement ist ein Radarsensor mit ca. 150 Meter Sichtweite, der Abstand und Relativgeschwindigkeit des vorausfahrenden Autos auf der eigenen Fahrspur erkennt. Aus diesen so gewonnen Daten, dem eigenen Spurverlauf, der eigenen Geschwindigkeit und den Aktionen des Fahrers errechnet das zentrale Steuergerät die beste Annäherung und wirkt auf Motordrehzahl und Bremsen (Dauer- und Betriebsbremse) an. Schnelligkeit, Beschleunigung und Verzögerung wird aktiv geregelt und dadurch der Abstand eingehalten. Die Bedienung erfolgt über den Tempomathebel.

Das Notbremssystem (Active Brake Assist = ABA) ist ein Notbremsassistent und stellt eine Erweiterung des zuvor beschriebenen Abstandsregeltempomat dar, um so Auffahrunfälle zu verhindern. Bis zu 150 Meter vor einem LKW fahrende Autos, die sich mit mindestens mit ca. 10 Km/h bewegen müssen, werden über drei Radarsensoren erkannt und laufend die Differenzgeschwindigkeit ermittelt. Bei zu geringem Abstand zum vorausfahrenden Auto wird der Fahrer durch ein optisches Signal gewarnt. Reagiert er nicht, folgt ein akustisches Signal.

Reagiert der Fahrer auch dann noch nicht wird automatisiert zunächst eine Teilbremsung mit 30 % der Bremskraft ausgelöst. Gibt es erneut keine Reaktion von Seiten des Fahrers wird durch eine automatische Vollbremsung das Fahrzeug zum Stillstand gebracht. Das System kann derzeit noch keine stehenden Hindernisse erkennen. Kommt jedoch das vorausfahrende Fahrzeug nach der Erfassung durch den Sensor zum Stehen, bremst auch der Lkw wie beschrieben ab. Diese Technik kann zwar Unfälle nicht immer verhindern, aber die Kollisionsgeschwindigkeit und damit evt. schwere Unfallfolgen werden erheblich verringert.

Der Spurassistent (Lane Guard System = LGS) hält den LKW in seiner Fahrspur. Verlässt das Fahrzeug seine Fahrspur ohne zu blinken (zu dichtes Heranfahren an Seiten- oder Mittelstreifen bzw. unbefestigte Straßenränder, warnt das System den Fahrer optisch, akustisch oder durch Vibrationsalarm und sorgt so für erhöhte Aufmerksamkeit.

Der Spurwechselassistent (Lane Change Assist = LCA) warnt beim Überholvorgang vor einer möglichen Kollision mit von hinten kommende oder sich im toten Winkel befindende Autos und Personen. Die Aktivierung erfolgt über die Betätigung des Blinkers.

Das Elektronisches Stabilitätsprogramm (Electronic Stability Program = ESP) wirkt in schwierigen Fahrsituationen auf Bremsen und/oder Antrieb eines Fahrzeugs ein (z. B. zu hoher Geschwindigkeit in Kurven, unterschiedlicher oder schlechter Straßenbelag). Dabei wird an den Rädern der sogenannte Schlupf gemessen und der Antrieb verringert oder eines oder mehrere Räder abgebremst. So kann ein Über- oder Untersteuern vermieden werden

Durch den Einbau von Fahrerassistenzsysteme in Nutzfahrzeugen können langfristig die volkswirtschaftlichen Kosten durch Verkehrsunfälle nachhaltig gesenkt werden. So hat beispielsweise ein Nutzfahrzeughersteller in den Jahren 2005/2006 einen Flottentest mit insgesamt 1.000 Sattelzugmaschinen durchgeführt. Eine Hälfte der Lkw war für diesen Versuch mit den Assistenzsystemen „Spurassistent“, „Abstandsregeltempomat“ und „Stabilitätsregelung“ ausgestattet.

Bei den Fahrzeugen mit diesem Sicherheitspaket halbierte sich gegenüber den 500 Sattelzugmaschinen mit konventioneller Ausstattung die Anzahl der Unfälle; die Schadenssummen fielen um 90% geringer aus. Diesem Ergebnis liegt ein Beobachtungszeitraum von zwölf Monaten und insgesamt 106 Millionen Kilometer zu Grunde. Rund die Hälfte der schweren Unfälle mit Lkw auf Autobahnen ist nach den Erkenntnissen der Entwicklungsingenieure des Herstellers vermeidbar, was einen enormen Gewinn für die Verkehrssicherheit bedeuten würde.


LKW-Unfälle: EU-Kommission will Ausrüstungspflicht

Die Europäische Kommission wird eine Verordnung vorschlagen, nach der die Ausrüstung von Nutzfahrzeugen mit einem vorausschauenden Notbremssystem und einem Spurhalteassistenten ab 2013 Pflicht sein wird.

Folgende Sicherheitssysteme sollen vorgeschrieben werden:

  • das Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) für u. a. neue Nutzfahrzeugmodelle ab 2012 und für alle Neufahrzeuge ab 2014
  • das vorausschauendes Notbremssystem für schwere Nutzfahrzeuge ab 2013 und
  • der Spurhalteassistent für Nutzfahrzeuge ab 2013.

Nach ersten Schätzungen durch die Kommission können durch Ausrüstung von Nutzfahrzeugen mit den in der Verordnung vorgesehenen Fahrerassistenzsystemen in der EU jährlich ca. 2 500 Menschenleben gerettet werden, wovon ca. 500 auf das ESP und je 1 000 auf das vorausschauende Notbremssystem und den Spurhalteassistenten entfallen. Und auch außerhalb der Europäischen Union wird es ca. 2.000 bis 2.500 Verkehrstote weniger geben, wenn die Hersteller ihre Fahrzeuge für alle Märkte mit ESP ausstatten, wozu die Verordnung sie veranlassen wird.

Fahrerassistenzsysteme erhöhen die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer. Sie entlasten den Fahrer und bringen ihn sicher zum Ziel. Aber: Assistenzsysteme entlassen den Fahrer nicht aus der Verantwortung. Sie können ihn unterstützen, damit er sich besser auf den fließenden Verkehr konzentrieren kann sowie überall dort, wo die Technik besser und schneller reagieren kann als der Mensch.

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